Ein Leben ohne Handy
22.12.2009, Kommentare: 0, Themen: Minimalismus, Leben, Gesellschaft, Anonymität, Gesundheit, Mobilfunk
In "Ein Jahr ohne Handy" und "gesundheitliche Auswirkungen hochfrequenter Strahlung" berichtete ich bereits über meinen Verzicht auf die kleinen Alleskönner. Jetzt lebe ich bereits zwei Jahre ohne Handy. Vermißt habe ich das Handy seit 2007 in den wenigsten Situationen. Fast alle Situationen lassen sich auch ohne den mobilen Begleiter lösen.
Der einzige Punkt, an dem ich über den Kauf eines Handys nachgedacht habe, ist der Start meiner Selbständigkeit als Webentwickler. Viele Menschen haben mir dazu geraten. "Selbständig ohne Handy? Geht nicht!", hieß es. Ich kann nun bestätigen, dass es geht. Da ich größtenteils von zu Hause arbeite, bin ich auch fast immer erreichbar. Unabhängig davon läuft ein Großteil der Kommunikion sowieso über E-Mails. Weiterhin gibt es in der Webentwicklung wenige Notfälle, für die man immer erreichbar sein müßte. Davon abgesehen wären diese Fälle mobil kaum lösbar. Sorgfältiges und fehlerfreies Arbeiten sind natürlich eine Grundvoraussetzung und sorgen für die Minimierung von Problemen.
Zum Thema "gesundheitliche Auswirkungen hochfrequenter Strahlung" gibt es natürlich ständig Neuigkeiten. Im vergangenen Jahr machten sich viele Sorgen um die Auswirkungen der Strahlung auf Kinder. Informationen zu diesem und anderen Themen:
- Beitrag im WDR vom 28.10.2009
- www.diagnose-funk.org
- www.aerzte-und-mobilfunk.net
- www.buergerwelle.de
Die Forschungsgemeinschaft Funk e.V. hat in diesem Jahr leider ihre Schließung bekanntgegeben. Grund seien, neben sinkender Mitgliederzahlen und somit auch Geldern, die steigende Zahl der EU-weiten und nationalen Forschungsprogramme und der sinkende Bedarf an weiteren Forschungen. Ob hier der Staat seine Aufgabe besser erfüllt als eine unabhängigere Organisation halte ich für fragwürdig.
Wie bei vielen wissenschaftlichen Themen ist hier Vorsicht geboten. Studien werden oft von anderen Studien widerlegt. Sie werden von Organisationen mit bestimmten Interessen beauftragt und befinden sich ständig in der Kritik, nicht 100%ig sicher sein zu können. So kommt es zum Beispiel oft vor, dass eine Studie in die Kritik gerät, weil sie mit Tierversuchen arbeitet. Die Ergebnisse seien somit nicht auf den Menschen übertragbar. Erhebliche Folgen, die nach Mobilfunkeinstrahlung an Ratten entstehen, werden so in den Hintergrund gedrängt. Auch beim Besuch des Bundesamt für Strahlenschutz im Internet bekommt man schnell den Eindruck, dass Studien zum Thema eher als fragwürdig beurteilt werden. Auf der ersten Seite zu elektromagnetischer Strahlung findet sich ein PDF mit Studien, die veröffentlicht wurden und in denen Handy-Strahlung als kritisch betrachtet wird. Das BfS bewertet diese Studien als unglaubwürdig und fehlerhaft. Ob diese Kritik gerechtfertigt ist kann ich leider nicht beurteilen. Die durchgehend negative Bewertung wirkt jedoch merkwürdig und die Aufmachung des Dokumentes nicht professionell. Soll es vielleicht nur die Bürger beruhigen?
Befürworter des Mobilfunks behaupten, dass negative gesundheitliche Auswirkungen nicht bewiesen sind. Die Gegner wollen vor dem Einsatz der Technik 100%ige Entwarnung der Forscher. Verschiedenste Interessen sorgen - sicherlich auch bewusst - für Orientierungslosigkeit unter uns Bürgern. Die Beurteilung der Forschungen wird zur Glaubenssache. In diesem Hin und Her bleibt Dir nichts anderes übrig, als Dich selbst umfassend zu informieren und verantwortungsbewusst für Dich selbst zu entscheiden, vielleicht auch für Dein Kind.
Hast Du schon über den Verzicht auf ein Handy nachgedacht, konntest den entscheidenden Schritt aber noch nicht gehen? Schreib mir!