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Ein Jahr ohne Handy!

11.12.2008, Kommentare: 0, Themen: Minimalismus, Leben, Mobilfunk

Seit 2007 sind mehr als 80% der deutschen Haushalte mit mindestens einem Mobiltelefon ausgestattet. Teilweise ersetzt das Handy auch bereits den Festnetzanschluss. Im dritten Quartal 2008 gab es in Deutschland 105.996.000 Mobilfunkteilnehmer.  Umgerechnet auf die deutsche Bevölkerung von 82.310.000 (Stand 2006) wären das knapp 1,5 Handys pro Einwohner. Auch ich habe ungefähr sechs Jahre lang ein Mobiltelefon besessen. Vor einem Jahr stellte ich mir allerdings die Frage, ob ich es wirklich brauche. So kam es, dass ich jetzt seit einem Jahr kein Handy mehr besitze. Viele waren der Meinung, dass ich schnell rückfällig werden würde. Einige hielten mich für verrückt. Was sich ohne Mobiltelefon ändert und mit welchen Argumenten man konfrontiert wird, ist hier kurz aufgeführt.

Die Kosten

Viele Menschen klagen über mangelnde finanzielle Mittel. Hohe laufende Kosten, viele Zusatzausgaben durch Einkäufe und Dinge die man halt benötigt. Ich würde mal behaupten, dass die wenigsten zur Verminderung der Kosten auf ihr Handy verzichten würden. Bei mir lagen diese Kosten 6 Jahre lang bei monatlich etwa 10€-25€. In 72 Monaten sind also etwa 1.500€ Unkosten entstanden. Davon kann man sich heute viele schöne Dinge kaufen. Denkt man schließlich daran, dass die Kosten durch oft unnötige Gespräche und SMS entstanden sind, merkt man, dass viel Geld zum Fenster rausgeworfen wird. Viele argumentieren hier, dass man sich ja auch pre-paid telefonieren kann, um die Ausgaben auf ein Minimum zu beschränken. Dieses Beschränken fällt den meisten dann jedoch sehr schwer. Wenn das Handy sowieso in der Tasche ist, wird es aus Bequemlichkeit auch genutzt.

Verabredungen und etwas Gedächtnistraining

Verzichtet man auf das Mobiltelefon, müssen einige Dinge wieder vom Gedächtnis übernommen werden. "Schatz, Du hast Deine Aktentasche vergessen!" "Kannst Du noch ein Glas Gurken mitbringen?" Solche und viele weitere Mitteilungen erreichen uns dann nicht mehr. In den ersten Wochen der Entwöhnung gibt es viele Situationen, in denen man etwas vergisst. Man ärgert sich und will sein Handy zurück. Wer aber durchhält, gewöhnt sich daran, viele Dinge wieder besser zu planen und zu bedenken. Das Gedächtnis wird fitter und man denkt auch an alles wenn der Handy-Akku mal wieder leer ist. Ähnlich ist es bei Verabredungen. Auch hier muss man sich vorher gut absprechen. "Wir treffen uns irgendwo am Bahnhof. Ich ruf Dich dann an". Diese Aussage sollte man dann lieber vergessen. Genaue Zeit- und Ortsangaben werden unerlässlich. Kommt nun jemand unverschuldet zu spät, muss der andere nun mal warten. Wenn es nicht um geschäftliche Treffen geht, kann man meistens damit leben. In der heutigen schnelllebigen Welt kann uns etwas Geduld und Langsamkeit nicht schaden, vorausgesetzt man weiß damit umzugehen.

Ständige Erreichbarkeit

Ob die ständige Erreichbarkeit ein Fluch oder ein Segen ist, muss sicherlich jeder für sich selbst entscheiden. In der heutigen Zeit, in der alles immer schneller und flexibler geht, wird der Besitz eines Handys schon fast vorausgesetzt. Für viele ist das eher eine Belastung als eine Entlastung. Diejenigen, die es als Entlastung sehen, sind unbewusst vielleicht doch belastet und fühlen sich stressfreier und beruhigter, wenn das Handy mal ausgeschaltet ist. Andersrum werden auch einige sehr nervös wenn sie wissen, dass sie nicht mehr erreichbar sind. Ist diese Abhängigkeit sinnvoll? Der Verzicht auf das kleine Gerät für einige Woche kann diesbezüglich sehr aufschlussreich sein. Die ersten Tage wird das fehlende Handy sicherlich belastend sein, anschließend wird man sich vermutlich ein Stück freier fühlen. Ein Versuch ist es wert!

Funktionsvielfalt

Das typische Handy kann mehr als nur telefonieren. Textnachrichten, Musik abspielen, Wecken, Termine planen, Erinnern, E-Mails abrufen und schreiben,  Internetseiten aufrufen und Navigieren sind die typischen Funktionen des Handys. Hier muss jeder für sich entscheiden, welche Funktionen er wirklich benötigt. Auf Navigationssysteme kann ich mittlerweile gut verzichten, so merkt man sich die Strecke besser und erhöht seine Ortskenntnis. Bei längeren Strecken ist lediglich etwas mehr Planung gefordert. Textnachrichten benötige ich nicht wirklich. Genauso ist es beim abrufen der E-Mails, beim Surfen und Termine planen. Die Erinnerungen lassen sich gut mit etwas Gedächtnistraining oder kleinen Zetteln kompensieren. Das morgendliche Wecken übernimmt wieder der Wecker oder das Unterbewusstsein.

Der Notfall

Das Hauptargument für den Besitz eines Handys ist für viele die Erreichbarkeit im Notfall beziehungsweise das Absetzen eines Notrufs. In solchen Situationen kann das Handy eine große Hilfe sein. Man muss sich also fragen, wann dieser Notfall eintreffen könnte. Grob geschätzt bin ich 20 von 24 Stunden am Tag in unmittelbarer Nähe eines Festnetzanschlusses. Dort ist für den Notfall also kein Handy erforderlich. Den Rest der Zeit verbringe ich entweder am Steuer eines Fahrzeuges, in Bus und Bahn oder beim Einkaufen. Sollte man in diesen Zeiträumen in eine Notsituation geraten, sind in der Regel Menschen in der Nähe, die einen Notruf absetzen oder entsprechende Hilfe leisten können. Wenn die nächste Notrufsäule natürlich mehrere hundert Meter entfernt ist, kommt es zu Verzögerungen. Das muss man ohne Handy in Kauf nehmen. Doch auch mit Handy kann in solchen Situationen etwas schief gehen. Um Verzögerungen auszuschließen, müssten Handybesitzer stets den Ersatzakku und eine Verstärkerantenne dabei haben, vielleicht auch noch eine Ersatzkarte, falls das Guthaben mal leer ist. Man kann folglich nicht für alle Fälle vorsorgen. In einer anderen Form des Notfalls ist es wichtig, erreichbar zu sein. Ein Familienmitglied liegt im Sterben? Diese Situation stellt man sich nur ungern vor, aber die Wahrscheinlichkeit, dass diese Situation plötzlich in den 4 Stunden des Tages auftritt ist doch sehr gering. Ist ein solcher Notfall durch Erkrankungen oder Ähnlichem abzusehen, kann man sich natürlich noch kurzfristig ein Handy organisieren. Die Alternative ist das Akzeptieren einer verzögerten Benachrichtigung. Gleiches gilt beispielsweise auch für die Schwangerschaft der Liebsten. Jeder muss selbst über den Besitz eines Handys entscheiden. Man sollte sich jedoch auch fragen, ob unser Sicherheitsempfinden nicht manchmal übertreibt. Vielleicht sind einige Menschen rechtzeitig gerettet worden, weil sie ein Handy dabei hatten. Ist denn auch bewiesen, dass sie ohne Handy nicht überlebt hätten? Und wie viele Menschen sind bereits durch Verkehrsteilnehmer gestorben, die, abgelenkt durch ihr Handy, einen Unfall verursacht haben? Eine Studie des Verkehrsclub Österreich aus dem Jahr 2004 besagt, dass das Telefonieren am Steuer pro Jahr 40 Tote und 4.500 Verletzte hervorruft.

Hochfrequente Strahlung

 

Die Belastung von Mensch und Umwelt durch elektromagnetische Strahlung hat in den letzten Jahren stark zugenommen und wird auch weiter zunehmen. Über die gesundheitlichen Auswirkungen wird viel gestritten. Viele glauben anhand von Studien beweisen zu können, dass die Strahlen keine gefährlichen Auswirkungen haben. Andere glauben, genau das Gegenteil sei der Fall. Sicher ist wohl, dass die Mobilfunkindustrie sowie auch einige Politiker und deren Berater mögliche gesundheitliche Auswirkungen heruntergespielt haben. Sicher ist auch, dass gesundheitliche Auswirkungen bisher nicht 100%ig ausgeschlossen sind. Jeder muss sich also selbst die Fakten und Erkenntnisse anschauen und für sich entscheiden. Eine Zusammenfassung der aktuellen Fakten und Erkenntnisse wird auf dieser Seite bald erscheinen. Da es sich um ein komplexes Thema handelt, das den Rahmen dieses Artikels sprengen würde, ist bereits ein weiterer Artikel in Arbeit, der sich intensiv damit beschäftigen wird.

Fazit

Wer auf unnötige Dinge verzichtet, macht sich das Leben in der Regel einfacher und stressfreier. Ein entspannter Lebensstil fördert weiterhin Gesundheit und Lebensfreude. Ob das Mobiltelefon unnötig ist oder nicht, sollte nun jeder selbst ausprobieren. Ich bin seit einem Jahr stressfreier, reicher und habe keine Freunde verloren :-) ! Die gesundheitlichen Aspekte der hochfrequenten Strahlung werden hier auf www.markusseyer.de bald erläutert.

Quellen:

www.destatis.de, Statistisches Bundesamt
www.bundesnetzagentur.de, Bundesnetzagentur
www.vcoe.at, Verkehrsclub Österreich

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