Der Weg zum Fotobuch
23.11.2009, Kommentare: 0, Themen: Fotografie, InternetStetig hat er sich bemüht, der Apple-Gründer Steve Jobs, um die Anwendungen seines innovativen Betriebssystems Mac OS X und der zugehörigen Photo-Management-Applikation iPhoto allen Benutzern ungeachtet des Alters zugänglich zu machen. Seit sechs Jahren existiert dieses System nun und trotz aller Anstrengungen gelingt es dem Kenner Mitte zwanzig allenfalls mit sehr viel Geduld, der Elterngeneration die Anwendungen näher zu bringen. Bei den Großeltern wird aber auch dieser langmütige User mit Erklärungsversuchen scheitern.
Und all diese Probleme, obwohl es zunächst scheint, als wäre das Anforderungsprofil nicht allzu schwer zu entschlüsseln: Zum einen sollen Photos, die zunächst am Bildschirm sortiert werden, für ein Photobuch ausgewählt werden, welches später in dieser Form zum Druck kommen soll. Zum anderen können die Photos aber auch auf dem Bildschirm selbst ausgiebig betrachtet werden, was vorzugsweise auf einem großen und leuchtstarken Display geschehen sollte. Diese Variante ermöglicht zudem, direkt die Bilder an andere Teilnehmer und Interessenten weiterzuleiten, wenn eine neue Aufnahme hinzukommt, die der Photograph mit anderen teilen möchte.
Doch dann stößt der Benutzer schon auf kleine Widerstände, die sich in versteckten Winkeln der Anwendung befinden: Wenn das Basiswissen um konsistente Konventionen in der Benutzeroberfläche fehlt, gibt der große Teil, der nicht zu den Experten zählt, schon auf. Denn nun sieht er sich vollends in der Verwirrung des für ihn Undurchdringlichem: Web 2.0 Jargon, iPhotobuch, youPhotobuch und myPhotobuch – all diese Begriffe kreisen um ihn und mit Resignation hofft er, dass wenigstens am Ende der Internetqualen ein Fotobuch entsteht.
Dem Alter ist nicht zu entkommen, aber vielleicht der biologischen Ingnoranz, die mit steigender Jahreszahl immer intoleranter gegen technische Neuerungen agiert? Aber auch das Land der unbegrenzten Möglichkeiten setzt hier Grenzen: Steve Jobs kann es wieder und wieder und noch so langsam erklären - bei seinen halbjährlichen Keynote-Präsentationen nimmt er gar den Bildschirm zur Unterstützung seines Vortrages - die Großeltern, die über MobileMe die hochgeladenen Fotos ihrer Kinder und Enkelkinder über einen abonnierten RSS-Feed automatisch auf ihr heimisches System herunterladen lassen könnten, erreicht er nicht.
Diese Generation will die Technologien wie RSS (Real Simple Syndication) gar nicht mehr verstehen.
Großeltern möchten leuchtend bunte Bilder auf wasser- und kratzfestem Buchdruck durch ihre Hände gleiten lassen.
Großeltern wünschen sich ein Photobuch, das sie tatsächlich berühren können, um es ins Regal zu stellen, wo die anderen, ganz alten Alben stehen, die dann schlussendlich alle vererbt werden.